Warum DIS Schiedsverfahren für viele Unternehmen die kostengünstigere Alternative zu ICC Schiedsverfahren darstellt. Wir gehen der Frage nach ist das DIS Schiedsverfahren günstiger als ICC?
Warum Kostentransparenz in der Schiedsgerichtsbarkeit entscheidend ist
Schiedsverfahren sind komplex und kostenintensiv. Die Gesamtkosten bestehen typischerweise aus (1) Schiedsrichterhonoraren, (2) Institutionsgebühren, (3) Anwalts- und Parteikosten sowie (4) sonstigen Verfahrenskosten. Bereits bei der Vertragsgestaltung lohnt sich daher ein Blick auf die Gebührenmodelle der Institutionen – insbesondere bei Streitwerten im sieben- bis achtstelligen Bereich.
Hinweis: Alle Beispielbeträge unten verstehen sich ohne USt. und ohne Auslagen; bei der ICC sind die offiziellen Scales in US-Dollar denominiert.
DIS vs. ICC: Der direkte Kostenvergleich (Administrationsgebühren)
Die Administrationsgebühren (reine Institutionsgebühren) zeigen bereits deutliche Unterschiede. Grundlage sind die offiziellen Gebührenmaßstäbe (DIS, ICC).
| Streitwert | DIS Administrationsgebühr (EUR) | ICC Administrative Expenses (USD) | Kommentar |
|---|---|---|---|
| 1 Mio. | 10.500 | ≈ 23.335 | DIS nach Anhang 2: 10.500 €; ICC nach Appendix III Tranchierung. |
| 5 Mio. | 30.500 | ≈ 45.015 | DIS: 10.500 € + 0,5 % auf 4 Mio.; ICC: Tranche bis 5 Mio. |
| 10 Mio. | 40.000 (Deckel) | ≈ 57.515 | Bei der DIS ab ca. 6,9 Mio. Streitwert gedeckelt (max. 40.000 €). |
| 20 Mio. | 40.000 (Deckel) | ≈ 67.515 | Die ICC steigt weiter an; die DIS bleibt gedeckelt. |
Quellen/Methodik: DIS Anhang 2 (Schedule of Costs) in EUR; ICC Appendix III (Administrative Expenses) in USD. Währungseffekte bleiben unberücksichtigt; die ICC-Gerichtsbarkeit kann die Gebühren innerhalb der veröffentlichten Skalen anpassen.
Schiedsrichterhonorare: Transparenz (DIS) vs. Bandbreite (ICC)
- DIS: Feste, veröffentlichte Honorartabelle je Co-Schiedsrichter; der/die Vorsitzende erhält i.d.R. +30 %. Klare Planbarkeit ab Verfahrensbeginn (keine separaten Honorarverhandlungen).
- ICC: Gebühren werden vom ICC-Court innerhalb eines veröffentlichten Ranges nach Streitwert festgesetzt (ad valorem). Bei Mehrpersonengerichten darf die Gesamtsumme i.d.R. bis zum Dreifachen der Sole-Fee steigen. Das bietet Flexibilität, ist aber weniger planbar.
Beispiel (10 Mio. €/$ Streitwert, 3er-Schiedsgericht)
DIS (EUR): Co-Schiedsrichter je ca. 59.450 € (bei exakt 10 Mio.), Vorsitzende/r ca. 77.285 €. Summe Honorare Tribunal ≈ 196.185 €. DIS-Administrationsgebühr: 40.000 € (gedeckelt). Gesamt (ohne USt./Auslagen): ca. 236.185 €.
ICC (USD): Sole-Arbitrator-Range bei 10 Mio. ≈ 39.167–187.400 $. Für drei Schiedsrichter kann die Gesamtsumme typischerweise bis zum ca. Dreifachen steigen → grobe Bandbreite ≈ ~117.500–562.200 $. Zuzüglich ICC-Administrative Expenses ≈ 57.515 $. Gesamt: breite Spanne, abhängig von der Festsetzung durch den Court.
Diese Beispielrechnung illustriert die Planbarkeit (DIS) vs. die Bandbreite (ICC). Tatsächliche Festsetzungen bleiben einzelfallabhängig.
Warum ist die DIS häufig kostengünstiger? Drei strukturelle Gründe
- Klare, öffentlich einsehbare Kostentabellen (Schiedsrichter & Administration) mit Deckel bei der Administrationsgebühr → hohe Budget-Sicherheit.
- Effizienzhebel in den Regeln (u.a. Case-Management-Konferenz, Fristensteuerung, time limit “in principle” für den Schiedsspruch) → geringere indirekte Kosten.
- Digitale Verfahrensführung via DIS eFile (HighQ) → weniger Medienbrüche, schnellere Kommunikation und potenziell weniger Auslagen.
Wann die DIS die bessere Wahl ist – Praxishinweise
- DACH-Bezug / europäische Lieferketten (Sitz, Sprache, Parteien in der Region).
- Streitwerte bis ~50 Mio. € (DIS-Deckel bei Admin-Fees besonders vorteilhaft).
- Zeitkritische Verfahren (klarer Fokus auf Verfahrenseffizienz).
- Mittelstand und kostenbewusste Konzerne (Budgettreue, Vorhersehbarkeit).
- Technik-/Bau-/Anlagenstreitigkeiten (starker Pool an spezialisierten Schiedsrichtern).
Wann ICC? Sehr hohe Streitwerte (>100 Mio.), stark multijurisdiktionale Konstellationen, politisch sensible Kontexte – hier kann die globale Reichweite der ICC vorteilhaft sein.
Musterklausel (DIS)
„Alle Streitigkeiten, die sich aus oder im Zusammenhang mit diesem Vertrag oder über dessen Gültigkeit ergeben,
werden nach der Schiedsgerichtsordnung der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit e. V. (DIS)
unter Ausschluss des ordentlichen Rechtswegs endgültig entschieden.
Der Schiedsort ist [Stadt, Land]. Die Verfahrenssprache ist [Deutsch/Englisch].
Das Schiedsgericht besteht aus [einer/m Einzelschiedsrichter/in | drei Schiedsrichter/innen].“
Tipp: Für Streitwerte ≤ 1 Mio. € oft Einzelschiedsrichter vorsehen; sonst Dreier-Tribunal.
Praktische Tipps & Tools
- Nutze DIS-Kostenrechner und ICC-Costs-Calculator bereits in der Vertragsphase.
- Definiere Sitz, Sprache und Anzahl der Schiedsrichter klar in der Klausel.
- Plane Übersetzungen, Reisen & Zeitzonen mit ein (indirekte Kostentreiber, v.a. bei ICC-Global-Panels).
- Setze auf digitale Verfahrensführung (DIS eFile) zur Reduktion von Auslagen und Reibungsverlusten.
FAQ: DIS vs. ICC – Kosten & Strategie
Ist die DIS wirklich günstiger als die ICC?
Bei den reinen Administrationsgebühren zeigt die DIS regelmäßig niedrigere Beträge – u.a. wegen eines 40.000-€-Deckels ab ~6,9 Mio. € Streitwert. Bei der ICC steigen die Administrative Expenses weiter an (in USD), bis zu einem Flat Cap von 150.000 $ ab 500 Mio. $.
Wie berechnet die DIS die Schiedsrichterhonorare?
Nach einer festen, veröffentlichten Tabelle (Annex 2). Pro Co-Schiedsrichter fällt ein Tabellenhonorar an; die/der Vorsitzende erhält i.d.R. +30 %.
Wie setzt die ICC die Schiedsrichterhonorare fest?
Der ICC-Court fixiert die Honorare innerhalb eines veröffentlichten Ranges (Appendix III). Bei drei Schiedsrichtern kann die Gesamtsumme gewöhnlich bis zum Dreifachen der Sole-Fee steigen.
Wie schnell sind DIS-Verfahren?
Die DIS-Regeln setzen Effizienz-Anreize (z. B. Case-Management, „in principle“ 3-Monats-Ziel für den Award nach letzter Verfahrenshandlung). Die tatsächliche Dauer ist fallabhängig. Die ICC weist für 2023 einen Durchschnitt von 27 Monaten (Median 25) aus.
Sind DIS-Schiedssprüche international vollstreckbar?
Ja. Die New York Convention (1958) gilt weltweit (mit über 170 Vertragsstaaten) und ermöglicht die Anerkennung & Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche – unabhängig davon, ob sie unter DIS oder ICC ergangen sind.
