CEPANI, NAI und DIS im Vergleich: Drei führende Schiedsinstitutionen im Herzen Europas

Ein Beitrag von Jan Dwornig LL.M. OblOSB, Fachanwalt für Transport- und Wirtschaftsrecht

Belgien, Niederlande, Deutschland und ihre führenden Schiedsinstitute

Die Wahl der Schiedsinstitution ist im internationalen Handel mehr als eine bloße Formalität – sie hat handfeste Auswirkungen auf Effizienz, Kosten und Rechtsdurchsetzung. Für Unternehmen mit Aktivitäten im deutsch-niederländisch-belgischen Raum bieten sich insbesondere drei Institutionen an: CEPANI (Belgien), das Nederlands Arbitrage Instituut (NAI) und das Deutsche Institut für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS). Dieser Beitrag vergleicht ihre Praxisrelevanz anhand von KostenFallzahleninstitutioneller AssistenzVerfahrensregeln und Rechtskultur.


1. Kostenstruktur – ein Blick auf Gebühren und Effizienz

Die Schiedskosten bestehen regelmäßig aus den Honoraren der Schiedsrichter und den Verwaltungsgebühren der Institution. Unterschiede gibt es hier sowohl in der Bemessungsgrundlage als auch in der Transparenz:

InstitutionVerwaltungsgebührSchiedsrichterhonorareBemessungsgrundlageBemerkung
CEPANIgestaffelt nach Streitwertebenfalls nach StreitwertStreitwertGebührenrechner online verfügbar; eher moderat im Vergleich
NAIpauschal + variable Elementestundenbasiert oder pauschalParteien können wähleneher teuer bei hohen Streitwerten
DISgestaffeltgestaffeltStreitwerttransparent durch Gebührenordnung; in der Praxis oft günstiger als ICC

Praxisfazit: Für kleinere bis mittlere Streitwerte bietet CEPANI ein besonders faires Preis-Leistungs-Verhältnis. NAIkann bei höheren Streitwerten kostenintensiv sein, bietet dafür aber Flexibilität. DIS punktet mit Berechenbarkeit.


2. Institutionelle Assistenz und Verfahrensbegleitung

Gerade für Parteien ohne intensive Schiedserfahrung ist die Effizienz der Geschäftsstelle entscheidend:

  • CEPANI bietet eine strukturierte Verfahrensbetreuung, einschließlich der Kontrolle von Fristen und unterstützender Kommunikation mit dem Tribunal. Der Vorsitzende der Institution kann bei Verfahrensfragen moderierend eingreifen.
  • NAI hat eine sehr aktive Geschäftsstelle mit hohem Digitalisierungsgrad (z.B. elektronische Aktenführung) und schneller Reaktion. Allerdings ist die Kommunikation formal, oft auf Niederländisch oder Englisch beschränkt.
  • DIS bietet ebenfalls eine professionelle Geschäftsstelle, jedoch mit zurückhaltenderem Eingreifen in das laufende Verfahren. Die neue DIS-SchO 2018 sieht dennoch klare Fristen und „Case Management“ vor, um Zeitverzug zu vermeiden.

Praxisfazit: Wer Wert auf enge institutionelle Begleitung legt, ist bei CEPANI oder NAI gut aufgehoben. Die DISvertraut stärker auf die Eigenverantwortung der Parteien.


3. Fallzahlen und internationale Relevanz

Die Zahl der verwalteten Verfahren zeigt die Marktdurchdringung – und lässt Rückschlüsse auf Professionalität und Akzeptanz zu:

InstitutionFälle 2022Anteil internationaler StreitigkeitenTrends
CEPANIca. 100>50 %leicht steigend
NAIca. 120>60 %stark international
DISca. 150rund 30–40 %stabil

Praxisfazit: Für international zusammengesetzte Parteien sind CEPANI und NAI besonders attraktiv. Die DIS dominiert hingegen im deutschsprachigen Raum und bei national geprägten Handelsverträgen.


4. Verfahrensregeln und Innovationsgrad

  • CEPANI (SchO 2023) punktet mit klaren Regeln zur beschleunigten Schiedsgerichtsbarkeit, einem Verfahren für kleinere Streitwerte und einer gut ausbalancierten Verfahrensstruktur.
  • NAI (SchO 2020) bietet eine besondere Besonderheit: Die Institution ernannt die Schiedsrichter selbst, was Neutralität stärkt, aber Parteiautonomie einschränkt.
  • DIS (SchO 2018) steht für einzelfallbezogene Flexibilität bei dennoch verlässlicher Struktur. Sie betont die Verfahrensökonomie und frühe Fallkonferenzen.

Praxisfazit: Wer strukturierte, aber flexible Verfahren sucht, findet in der DIS einen verlässlichen Partner. CEPANIüberzeugt durch klare Regeln und Innovationsfreude. NAI ist für Parteien interessant, die sich eine neutrale Ernennung des Tribunals wünschen.


5. Rechtskultur und Sprache

  • CEPANI akzeptiert Verfahren auf Französisch, Niederländisch und Englisch – mit klarer Nähe zu EU-rechtlichen Standards.
  • NAI führt Verfahren meist auf Niederländisch oder Englisch. Die Nähe zum Rotterdamer Seerecht spricht für sich.
  • DIS erlaubt Verfahren auf Deutsch oder Englisch, wobei Deutsch in vielen Verträgen Standard bleibt.

Praxisfazit: Sprachlich und kulturell bietet CEPANI die größte Mehrsprachigkeit. DIS ist ideal für den deutschen Mittelstand, während das NAI vor allem in angelsächsisch-niederländischen Kontexten glänzt.


Fazit: Welche Institution für welchen Fall?

Bedarf / ZielEmpfehlung
Effizientes, strukturiertes Verfahren mit guter AssistenzCEPANI
Flexibles, unternehmensnahes Verfahren mit digitaler InfrastrukturNAI
Rechtssichere, gut kalkulierbare Verfahren im deutschen SprachraumDIS

In der Praxis lohnt sich ein genauer Blick auf den Einzelfall: Vertragsstruktur, Sprache, Streitwert und gewünschter Einfluss auf das Tribunal entscheiden darüber, welche Institution „die richtige“ ist. Wer grenzüberschreitend handelt, profitiert oft von einer bewussten Entscheidung für oder gegen nationale Prägungen.


Tipp für Vertragsgestalter: Eine klare Schiedsklausel mit institutioneller Bezugnahme (z. B. „all disputes shall be settled under the CEPANI Rules…“) spart im Streitfall Zeit und Geld. Viele Institutionen bieten geprüfte Musterklauseln auf ihrer Website an.

CEPANI – Belgiens führende Institution für Schiedsverfahren und Mediation

Ein Beitrag von Jan Dwornig LL.M. OblOSB, Fachanwalt für Transport- und Wirtschaftsrecht

Cepani

Die belgische Wirtschaft ist seit jeher international ausgerichtet – mit Brüssel als Hauptstadt der EU, einer offenen Handelsstruktur und zentraler Lage in Europa. In diesem Umfeld spielt die Institution CEPANI eine Schlüsselrolle in der alternativen Streitbeilegung (ADR). Doch was genau zeichnet CEPANI aus? Welche Regeln gelten? Und warum lohnt sich ein genauer Blick – gerade für Unternehmen im Benelux-Raum und ihre Rechtsberater?


1. Was ist CEPANI?

CEPANI (Centre belge d’arbitrage et de médiation) ist das führende belgische Schiedsinstitut mit Sitz in Brüssel. Es wurde 1969 gegründet und verwaltet nationale und internationale Schiedsverfahren, Mediationsverfahren und zunehmend auch hybride Verfahren wie Schlichtung oder Expert Determination.

CEPANI ist institutionell unabhängig, arbeitet aber eng mit der belgischen Wirtschaft und Anwaltschaft zusammen. Die Institution ist mehrsprachig (Französisch, Niederländisch, Englisch) und stark europäisch geprägt – ein wichtiger Vorteil in grenzüberschreitenden Streitigkeiten.


2. Verfahrensordnung: Modern, klar, effizient

CEPANI hat seine Schiedsordnung (Rules of Arbitration) zuletzt 2023 reformiert. Die Regelungen orientieren sich an den internationalen Standards der ICC, DIS und LCIA, enthalten aber einige Besonderheiten:

🔹 Highlights der CEPANI-Schiedsordnung:

  • Beschleunigtes Verfahren (Fast Track): Für Streitwerte bis 100.000 EUR gilt ein vereinfachtes Verfahren mit Einzelschiedsrichter, kurzer Fristenstruktur und begrenzter Schriftsatzanzahl.
  • Digitalisierung: CEPANI begrüßt ausdrücklich papierlose Verfahren und fördert die Kommunikation über elektronische Mittel.
  • Institutionelle Kontrolle: CEPANI überprüft Schiedssprüche nicht inhaltlich, sorgt aber für verfahrensrechtliche Qualität.
  • Mehrsprachigkeit: Verfahren können je nach Vereinbarung auf Französisch, Niederländisch oder Englisch geführt werden – oft entscheidend für den Erfolg im Benelux-Kontext.

3. CEPANI im internationalen Vergleich

Während die ICC in Paris den globalen Ton angibt und die DIS zunehmend grenzüberschreitend arbeitet, positioniert sich CEPANI als regionale, aber sehr international ausgerichtete Institution. Besonders attraktiv ist CEPANI für:

  • mittelständische Unternehmen mit Bezug zu Belgien oder den Niederlanden,
  • Schnelle, kosteneffiziente Verfahren im europäischen Binnenmarkt,
  • Parteien, die ein kultursensibles, aber rechtssicheres Verfahren wünschen.

In vielen Benelux-Verträgen, auch im Logistik- und Handelsbereich, ist die CEPANI-Klausel daher inzwischen Standard.


4. Mediation und alternative Verfahren

CEPANI ist nicht nur Schiedsinstitution, sondern auch ein aktiver Förderer der Mediation. Die CEPANI-Mediationsordnung basiert auf Freiwilligkeit und Vertraulichkeit. Sie wird zunehmend von Unternehmen genutzt, die sich bewusst für kooperative Lösungen entscheiden.

Zudem bietet CEPANI:

  • Mini-Trials
  • Schlichtungsverfahren
  • Neutral Evaluation
  • Binding Advice

Diese Verfahren sind besonders hilfreich in langfristigen Geschäftsbeziehungen oder bei technisch komplexen Sachverhalten.


5. Internationale Bedeutung und Praxisrelevanz

CEPANI ist Mitglied des Internationalen Schiedsinstituts-Netzwerks (IFCAI) und pflegt intensive Beziehungen zur ICC, ASA, NAI und DIS. Auch im Bereich der Ausbildung engagiert sich CEPANI stark – mit Moot Courts, Weiterbildungen und Publikationen.

Für internationale Juristen lohnt sich die Auseinandersetzung mit CEPANI insbesondere, wenn:

  • belgisches oder niederländisches Vertragsrecht Anwendung findet,
  • der Sitz des Unternehmens oder Projekts in der Region liegt,
  • kulturelle und sprachliche Nähe zur EU-Institutionen gesucht wird.

6. Fazit

CEPANI ist mehr als ein belgisches Schiedsinstitut. Es steht für pragmatische, kultursensible und moderne Streitbeilegung auf hohem rechtlichem Niveau – im Herzen Europas. Wer mit dem Benelux-Raum wirtschaftlich verbunden ist, sollte CEPANI kennen – und es gegebenenfalls auch vertraglich verankern.


Tipp für die Vertragsgestaltung:
Die Standard-Schiedsklausel von CEPANI lautet (für englische Verträge):

„All disputes arising out of or in connection with the present contract shall be finally settled under the Rules of Arbitration of the Belgian Centre for Arbitration and Mediation (CEPANI) by one or more arbitrators appointed in accordance with those Rules.“


Sie möchten wissen, ob CEPANI die richtige Wahl für Ihre Streitbeilegung ist oder benötigen Unterstützung bei der Formulierung einer wirksamen Schiedsklausel?
Kontaktieren Sie mich gerne – ich berate regelmäßig zu Schiedsverfahren im Benelux-Raum.

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